Es gibt sie, die Hundehalter, die uns vor der Anschaffung eines Hundes aufsuchen und darüber freuen wir uns immer ganz besonders! Es ermöglicht uns, individuell abzuklopfen, welchen Typ Hund diese Menschen eigentlich suchen.
Welcher Typ Hund zu ihnen passt, was sie eigentlich „brauchen“, um harmonisch mit einem Hund leben zu können.
Also kamen sie, das junge Pärchen, voller Elan aber ohne Zeitdruck. Wir stellten ein paar Fragen, zu den Menschen und ihren Lebensumständen, ihrer Arbeit und ihrem Leben, ihren Gewohnheiten und der Zukunftsplanung. Irgendwann fiel der Satz: „Na eigentlich kenne ich da einen Stafford. Der ist vom Typ her irgendwie so, wie ich mir meinen Hund wünschen würde“.
Puh, gleich ein Listenhund? Und dann noch Ersthundehalter? Aber ohne Druck im Nacken dachten wir, wir lassen uns mal auf das Wagnis ein und checkten mit unserem Verein des Vertrauens für Listenhunde, die sowieso zufällig gerade jetzt auch einen Pflegestellenplatz bei uns angefragt hatten, für einen jungen Rüden. Irgendwie im Gespräch bot sich das nette Paar an, uns den Hund zu bringen, aus Leipzig, wohlgemerkt.
Man hätte dann einen jungen Stafford in der Gegend bei uns, man könne sich ja mal beschnuppern und näher kennenlernen, eventuell ein paar Mal Gassigehen. Gleichzeitig könne man sich ja ein wenig herantasten, über den Verein den ein-oder anderen Hund auf seiner Pflegestelle besuchen.

Knödel, Pubertier
Nein, all das nicht. Der liebe Knödel zog noch nach der langen Fahrt gar nicht erst bei uns ein. Er blieb direkt beim Team „nur mal beschnuppern“. Die waren nämlich schockverliebt, wir noch ein wenig verhalten, denn nach der ersten Schockverliebtheit kommt oft der Blick auf die Realität: „Doch nicht das, was wir uns vorgestellt haben, doch noch zu viel Aufwand, doch zu jung“, wir hatten noch Bedenken, dass das eventuell kommen könnte.
Es kam nicht.
Knödel besuchte uns regelmäßig in der Tagesbetreuung und relativ schnell war klar: Ein junger Hund, der gerne jetzt auch eine Runde Regeln des sozialen Miteinanders lernen möchte. Ein Quatschkopf halt… aber die Halter, die würden ihn nicht mehr entbehren wollen und scheuen auch keinen Aufwand. In Kürze steht der kleine Wesenstest an, für den abschließenden Wesenstest ist das Pubertier nämlich noch zu klein.
"Was willst du mal werden, wenn du groß bist?"
Freundlich.
Derzeit begleiten wir Knödel daher auch im Training, denn es ist leichter, sich jetzt anzuschauen, welches Verhalten wir bestärken und fördern wollen, als später für Verhalten strafen zu müssen, das wir nicht richtig beigebracht haben. Es ist immer die Frage von: Wer hat hier geschlafen, mein Hund oder ich? Habe ich es meinem Hund vielleicht (noch) nicht erklärt?
Also erklären wir Knödel langsam, wie die Welt funktioniert.
Er lernt unglaublich schnell und mal abgesehen von den altersbedingten Flausen im Kopf, die ja auch irgendwie charmant sein können, ist er selbst auch ein 6er im Lotto.
Knödel heißt heute übrigens nicht mehr so. Das fällt uns jedoch sehr, sehr schwer. Für uns wirst du intern und heimlich immer ein Knödel sein.
Manchmal ergeben sich die Zufälle so zufällig richtig, dass man zweifeln mag, ob es wirklich "Zufälle" sein mögen. Vielleicht sollt es auch genau so sein.