Ein Herzensthema, das mich immer wieder erneut bewegt. Wir merken es gar nicht, aber in der Regel sind wir alle mit unseren Leinen recht grobmotorisch.
Nicht umsonst empfehle ich immer, mit einer dünnen Leine ohne Ringe und nur mit Handschlaufe zu üben, denn es macht uns sanfter in der Bewegung.
Gestern durfte ich das einer Hundehalterin demonstrieren, die einen echten „Aha-Effekt“ hatte und merkte, wie viel sanfter und leichter sie mit neuer Leine den Hund bewegt.
Wir müssen klar kommunizieren: Das haben wir vor, hier gehen wir hin, das wollen wir tun. Dann wird unser Hund folgen.








Dafür gibt es unterschiedliche Techniken, ich spreche meine Hunde beim Namen an, laufe los und in dem Moment, indem sie mich überholen würden, bleibe ich stehen, sodass sie das auch merken können. Das ist nämlich faires Hundetraining. Ich gebe dem Hund eine Chance auf Erfolg, den ich dann belohnen kann!
Wenn er mich dann gesehen hat und sich mir zuwendet, gehe ich einen Schritt rückwärts und lade den Hund ein, mitzugehen. Dann drehe ich mich wieder in Laufrichtig und warte wieder, bis der Hund mich überholen würde.
Diesen Vorgang wiederhole ich, denn es „zwingt“ meinen Hund auf mich zu achten und ermöglicht mir, mit lockerer Leine zu gehen. Ich wirke mit dem Stehenbleiben bereits ein, bevor mein Hund in die Leine hineinlaufen würde, denn er kann sehen, dass ich stehen bleibe. Wir wollen damit üben:
„Bitte achte auf die Leinenspannung, bitte bleib in meinem Radius“. *
Umso öfter ein Hund in die Leine rennt, umso unsensibler wird er für dieses Gefühl. Er gewöhnt sich daran, es wird „normal“. Daher üben wir das bereits mit den Welpen immer mal wieder ein paar Meter.
Ab und an prüfe ich die Aufmerksamkeit auch nochmal, indem ich den Hund körpersprachlich hinsetze. Ich setze den Hund, ich bewege den Hund.
Fragt euch in eurem Alltag doch immer mal wieder: „Wer hat hier gerade wen bewegt?“.
Fragt euch in eurem Alltag doch immer mal wieder:
"Wer hat hier gerade wen bewegt?"
Das klingt jetzt so simpel, aber wenn ich mich im Training mit Menschen unterhalte, die ihre Hunde an der Leine halten, sehe ich dem oft ein paar Minuten zu und spreche mit den Menschen um am Ende zu sagen: „Schau mal, wir haben unsere Unterhaltung an Punkt A begonnen. Jetzt stehen wir 20 Meter weiter weg – wieso eigentlich?“. Und dann kommt in der Regel die Erkenntnis: „Der Hund hat mich bewegt. Ich bin der Bewegung meines Hundes ohne es zu merken einfach gefolgt“.
Also wer bewegt wen und wer führt wen eigentlich wohin?
Wenn mein Hund mich bewegt – wie soll mein Hund mir vertrauen, wenn ich ihn bewegen will?
Unsere Bonny hat so die ein-oder andere Unsicherheit und ich erinnere mich als sie kam, stand ich einmal vor einer Holzbrücke. In ihrer Welt war die Brücke sehr bedrohlich und angsteinflößend.
Ich habe, als ich das zum ersten Mal gesehen habe, abgebrochen – denn ich wollte Bonny erst besser kennenlernen und dann einen Plan entwickeln.
Denn wenn ich einem Plan folge, kann mein Hund mir folgen. Wenn wir gemeinsam ratlos sind, wird’s nirgends führen.
Ich habe sie dann behutsam in unterschiedliche Situationen geführt, die sie unsicher werden ließen. An einem Kindergarten vorbei, an einer viel befahrenen Straße und so weiter. Irgendwann war das Vertrauen groß genug zu wissen: „Wir gehen da gemeinsam durch“, sodass auch die Brücke kein Problem mehr darstellte.
Jemand sagte mir mal: „Stell dir vor, du stehst in einem dunklen Parkhaus und sagst zu deinem Partner: „Ich habe Angst“. Wenn dein Partner dann sagt: „Lass uns gemeinsam Angst haben“, werdet ihr die Situation nicht bewältigen. Wenn dein Partner aber sagt: „Ich habe deine Angst gesehen, aber vertraue mir, wir schaffen das“, werden eure Chancen steigen, diese Situation gemeinsam zu bewältigen“.
Dieses Bild habe ich oft im Kopf, insbesondere, wenn mir eine Situation ebenfalls Angst macht und mein Hund das natürlich nicht wissen darf :).
Was ich damit mitgeben möchte, ist: Werde sanft mit deiner Leine. Werde aufmerksam für die Leinenspannung und frage dich immer mal wieder, wer hier gerade wen bewegt.
Für eine harmonische Beziehung, voller Vertrauen und Respekt.
* Randnotiz: Ich weiß, dass viele Foren & Bücher „Richtungswechsel“ bei Leinenziehern empfehlen, ohne weitere Ausführung. Die Menschen haben damit keinen Erfolg, denn sie bauen den Rahmen dazu nicht auf, wenn sie einfach nur die Laufrichtung wechseln. Deshalb macht es Sinn, hierzu ein Training zu absolvieren, denn die Koordination ist gar nicht mal so einfach, wie es scheint!
Ein toller Artikel, Danke. Ich habe ihn auf Facebook geteilt und massig
Likes bekommen :)..