Der etwas andere Spaziergang

Der etwas andere Spaziergang

Wenn Menschen mit ihren Hunden spazieren gehen, dann beobachtet man ganz unterschiedliche Typen. Wir stellen mal ein paar vor:

1 Der Playdate verabreder

Dieser Typ Hundebesitzer vereinbart Spieltreffen auf der Wiese mit anderen Hunden. Da wird extra ein Date ausgemacht, sodass Hund toben, flitzen und mit Hundefreund die Wiese erkunden kann, gleichzeitig nutzen auch Hundefrauchen und Herrchen gerne die Zeit für eine kleine Schnackerei. Vorteil: Hund erlebt Sozialkontakte und kann mit anderen Hunden die Umgebung erkunden Nachteil: Wenn Herrchen und Frauchen nicht aufpassen, sehen sie vermeintliche Gefahrensituationen gar nicht oder zu spät: Dreht sich das Spiel? Wird ein Hund gejagt, gemobbt? Zeigt ein Hund vermehrt Anzeichen von Streß oder Überforderung? Weiter sollten diese Dates nicht die Gesamtheit der Spaziergänge ausmachen, denn Hund soll nicht lernen, dass Bespaßung, Freude und Sozialkontakte ausschließlich im Außen stattfinden. Dann hat der Spaziergang mit Frauchen und Herrchen nicht mehr viel zu tun. Unsere Empfehlung: Beobachtet eure Playdates, achtet auf die Signale der beteiligten Hunde und stellt sicher, dass euer Hund weiß, dass Spielverabredungen mit Regeln einhergehen, zum Beispiel mit kontrolliertem Spielbeginn und Spielende.

2 Der Bewaffnete

Der Bewaffnete geht nicht ohne seine Gadgets aus dem Haus: Ball, Leckerlie, Dummy – alles, was Hundeherz begehrt, wird hier eingepackt und sicher am Körper verstaut. Ob Suchspiele, Apportieren oder Bälle jagen, dieser Hundebesitzer ist für alle Eventualitäten bestens gerüstet! So kann Hund über den ganzen Spaziergang hinweg beschäftigt und ausgelastet werden. Vorteil: Spaß und Freude für den Hund, die jetzt auch etwas mit dem Mensch zu tun hat, wenn richtig aufgebaut. Denn auch Bälle jagen kann in kontrolliertem Umfeld passieren, so zum Beispiel mit Signalen zu Start und Ende. Die Impulskontrolle, meinen Hund zum Beispiel auf das Lossenden warten zu lassen (nicht etwa auf das Werfen des Balles!) schafft eine Regel, die dafür sorgt, dass Bälle zum Beispiel nur hinterhergejagt wird, wenn Frauchen oder Herrchen das Ok dazu geben. Inwieweit auch kontrolliertes Jagen überhaupt für einen Hund Sinn macht, ist individuell. Wir haben Hunde, da empfehlen wir, es gänzlich zu lassen. Und dann gibt’s Hunde, die kommen damit sehr gut zurecht. In jedem Falle: Immer mit Struktur. Nachteil: Insbesondere die Bällewerferei kann aus Hunden echte Junkies machen. Daher ist es ratsam, immer mal zu prüfen, ob Hund noch im Bereich von „kooperativem Spaß“ ist oder bereits eine Ballfixierung zeigt. Aber egal, ob Bälle, Suchspiele oder Dummy – richtig und in verhältnismäßigem Maß eingesetzt eine gute Möglichkeit, Hund zu beschäftigen. Gleiches gilt für Futter – eine großartige Möglichkeit, den Hund zu bestätigen, wenn es aber „immer nur mit Futter“ geht, dann sind wir im Bereich des „ich weiß schon, was du von mir willst, ich mache es aber nicht, wenn es kein Goodie dafür gibt“ – und das wäre dann Bestechung, zumindest dann, wenn ich sicher sagen kann, dass ich ein bereits erlerntes Verhalten abfrage. Also alles in Maßen.

3 Der am Telefon

Wer kennt sie nicht, die über das Feld Schlenderer mit Handy am Ohr. Einfach zu erklären, dass es hier nicht so sonderlich viele Vorteile gibt, jedoch einen Haufen Nachteile. Verbringe die Zeit draußen mit deinem Hund auch mit deinem Hund – zumindest die überwiegende Zeit. Nichts spricht dagegen, ein Telefonat anzunehmen. Wenn es den ganzen Gassigang überdauert, so hat dein Hund wenig von dir, dafür viel Bespaßung im Außen ohne dich gehabt. Der Nachteil davon ist, dass er deine Anwesenheit für einen Spaziergang auch irgendwie nicht mehr „braucht“ – und logischerweise weniger kooperativ sein wird.

4 Der Spezielle

Bonny und ich haben letzte Woche einen klassischen Spaziergang der „Speziellen“ gehabt. Wir waren nämlich beide ein wenig durch vom Tag und so dachte ich, es hilft uns beiden, in Ruhe einmal abzuschalten. Da wir Regeln der Gemeinschaft haben und das ohne Leine laufen bei uns wortlos funktioniert, haben wir in relativ großer Stille 6km Gassigang gemeinsam verbracht und dabei den Kopf ausgeschaltet. Natürlich bestätige ich meinen Hund, wenn sie kam, und bei mir sein wollte, habe ich sie gestreichelt und das bestärkt. Wenn sie ein paar Meter alleine erkunden wollte, habe ich sie in dem vorher lang geübten Rahmen gelassen, bei uns sind das so 15m. Ansonsten habe ich ihr nichts abverlangt. Kein Sitz, kein Kommen, ehrlicherweise gar nichts. Freudig und in Stille haben wir so eine große Pause bei unserem Lieblingsbaum gemacht und gemeinsam eine Runde in der Wiese gedöst. Die gemeinsame Zeit war uns Belohnung genug. Natürlich haben wir hier einen Vorteil, denn unsere Hunde teilen uns jeden Tag mit anderen Hunden. Zeit zusammen ist daher für uns alle ein „hohes Gut“, das für sich selbst eine große Belohnung darstellt. Die Aufmerksamkeit mal nur beieinander zu haben war sehr schön.

... Gibts ein Fazit?!

Und wie so oft ist die Lösung die Mitte: Baue von allem etwas ein, immer mal wieder. Spielverabredungen, wenn dein Hund Freude an Artgenossen hat, genauso wie kreative Balancierübungen oder Suchspiele. Es ist aber auch ok, einfach mal gemeinsam „zu sein“ – und den Kopf mal auszumachen. Kein Hund muss durchgängig beschäftigt werden. Sich einfach mal durch die Umgebung zu schnüffeln und gemeinsam zu erkunden steht oft bereits für sich. Auch kleine Übungen einzubauen ist eine tolle Idee. Tom hatte letzte Woche mit Littlefoot nämlich Lust, mal was Neues zu probieren. So haben sie auf ihrem Spaziergang die ersten Schritte zur Futteranzeige aufgebaut und geübt. Der quirlige Riese lernt gerne neue Dinge und in Kürze markiere ich Tom auf dem Feld ein paar Futterstücke. Mal sehen, ob Littlefoot bereits soweit ist, sie sicher anzuzeigen. 

Bleibt kreativ, viel Freude mit eurem Hund!

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